Buch «Wir können auch anders»

Buch «Wir können auch anders»

Aufbruch in die Welt von morgen

In schöner Ausgewogenheit von Visionskraft und Realismus orientiert uns Maja Göpel in ihrem neuen Buch hin zu einer nachhaltigen Weltordnung.

 Autor Maja Göpel
 Verlag Ullstein
 Umfang 358 Seiten
 ISBN 978-3-550-20161-5
 Preis Fr. 22.90 (UVP)

 

Es war kurz vor Corona, als damals Maja Göpels erstes Buch erschien; wir befanden uns gerade frisch im Lockdown, als wir es besprachen. Dass es sich soeben zu einem Bestseller entwickelte, hatten wir damals nicht auf dem Schirm. Wir hätten es auch nicht vorausgesagt: So unaufgeregt und nüchtern war es in seiner Einladung, uns angesichts polarisierter Debatten wieder auf den Boden der Tatsachen zu stellen, so ruhig in seiner Argumentation, dass es vom Lärm der sozialen Medien doch gewiss übertönt würde? Doch da war es dann und fand viele Leserinnen, und wir waren ausserordentlich erfreut darüber. Mindestens ebenso erfreut wären wir, wenn dasselbe nun auch ihrem zweiten Buch wieder gelänge. Die damals bewährten Qualitäten bringt es dafür schon mal alle mit.

Während es der Politökonomin und Mitbegründerin der Scientists for Future Maja Göpel damals darum ging, uns stärker in der Welt zu verankern, wie sie sich darstellt, anstatt in jener, wie sie (vermeintlich) einmal war, unternimmt sie es nun in ihrem zweiten, uns in eine Welt zu lenken, wie wir sie uns wünschen, anstatt nur einer, die wir befürchten. Das ist eine Änderung im Tonfall, gewiss: Zum Pragmatismus tritt da eine Portion Idealismus, der sich etwa auch in ihrer Forderung zeigt, „gross zu denken“. Systemisch nämlich, und auf der Spur der drängenden Frage, wer wir – als Menschheit und als Individuum – eigentlich sein wollen. Dass wir die Möglichkeit zu dieser Entscheidung überhaupt haben, indem wir ausschlaggebender von unserer Kultur geformt sind als unserer Evolution, ist dann nur die grundlegendste Erkenntnis aus all den zukunftsweisenden Einsichten, die sie uns verschafft. In das verlangte systemische Denken führt sie uns anschaulich ein und bespricht vor diesem Hintergrund differenziert die breite Auswahl an Themen, die auf dem Weg zu einer nachhaltigen Weltordnung neu zu betrachten und anzugehen sind: Die Postwachstums-Wirtschaft, Urbanisierung und Mobilität, den Umgang mit Allgemeingütern und dem technischen, digitalen Fortschritt, die politischen, rechtlichen und sozialen Konflikte um Freiheit, Gleichheit oder Selbstbegrenzung. All dies – man muss es wohl kaum mehr besonders erwähnen – in gezielter Hinsicht auf Klimagerechtigkeit, Ressourcensicherheit und den Erhalt der Biodiversität.

Trotz der genannten Forderung, hier beherzt im grösseren Zusammenhang zu denken, und der unbestreitbar einschüchternden Ausmasse der Herausforderungen befürwortet die Autorin die Annäherung an sie in kleinen Schritten. Die umfassenderen Ziele nur vor Augen, konkretisiert sie uns den Weg dahin an handgreiflichen Beispielen und verkraftbaren Veränderungen. Aus ihrer Mitgliedschaft im Club of Rome greift Maja Göpel auf wegweisende Forschung, eigene Erlebnisse und die Anregungen namhafter Vordenker zu, ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren: Der Realitätsbezug geht also im Wagnis der idealistischen Visionen nicht unter. Man könnte ihr umgekehrt den Vorwurf machen, dass diese visionären Entwürfe im Einzelfall keine neuen sind und sich auch schon detaillierter und tiefgründiger durchleuchtet fanden. Doch der Anspruch des Buches ist ja nicht der, in die akademische Diskussion einzugreifen, sondern deren Ergebnisse in die klugen Köpfe hinauszutragen, die sich für ihren persönlichen Beitrag zur ökonomischen und ökologischen Transformation zweckvolle Orientierung und Ermutigung erhoffen. Das gelingt Maja Göpel auch in diesem Band wieder vortrefflich: In bereichernder Ergänzung des letzten, aber auch in der ganz eigenständigen, beflügelnden Lektüre.

 

Rezension: Sacha Rufer


 

 

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