Schweizer Golfsport fördert Nachhaltigkeit

Die Strategie des Schweizer Golfverbands baut auf sechs Pfeiler; einer davon ist Nachhaltigkeit. Swiss Golf unterstützt seine Mitglieder beim nachhaltigen und messbaren Ressourceneinsatz, bei der Förderung der Biodiversität sowie im verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt – sowohl mit Tipps wie auch finanziell.

Für Swiss Golf und den Golfsport spielt Nachhaltigkeit im Hinblick auf den langfristigen Erfolg eine zentrale und strategische Rolle. Seit 2020 ist Nachhaltigkeit – sie umfasst ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte – denn auch einer von sechs Schwerpunkten der Verbandsstrategie. Nachhaltig bewirtschaftete Golfplätze fördern langfristig den Erhalt der Umwelt. Für den Golfsport ist das essentiell, denn Golferinnen und Golfer verbringen viel Zeit in der Natur; die körperliche Betätigung trägt dazu bei, länger gesund und fit zu bleiben. Zudem erbringen nachhaltig bewirtschaftete Golfanlagen eine wertvolle Ökosystemdienstleistung, von welcher die gesamte Gesellschaft profitiert.

Nachhaltige Strategie für einen grünen Sport

Die Kommission Nachhaltigkeit & Golfanlagen hat ergänzend zur Verbandsstrategie den Leitfaden «Golf Course 2030 Schweiz» erstellt, welcher Clubs und Platzbetreibern als Wegweiser dient, die Bespielbarkeit und Qualität der Schweizer Golfplätze für heutige und künftige Generationen zu sichern. Dieser Strategieplan orientiert sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (17 SDGs) und spricht wichtige Nachhaltigkeitsthemen im Golfsport an. In erster Linie geht es um den Klimawandel, die Förderung der Biodiversität, um Umweltauswirkungen von Golfprojekten sowie Gesundheitsförderung. Mit Blick auf die begrenzte Verfügbarkeit von Ressourcen werden auch die Bereiche Wasser, Einsatz von Pestiziden sowie Verfügbarkeit und Nutzung von Boden thematisiert. Zusätzlich legt «Golf Course 2030 Schweiz» ein Augenmerk auf den Erhalt natürlicher Ressourcen, auf Natur- und Landschaftsschutz, Bodenschutz, Schutz des Kulturerbes und archäologischer Stätten, auf Abfallwirtschaft und Recycling sowie auf ein effizientes Management des Energie- und Wasserverbrauchs.

Ein Golfplatz ist eine gekonnte Mischung zwischen freier und gezähmter Natur wie hier im Golf Club Arosa.

Golfverband unterstützt GEO-Zertifizierung

In der Strategie von Swiss Golf steht festgeschrieben, dass bis 2027 sämtliche dem Verband angeschlossenen Golfclubs und Golfanlagen GEO- oder ISO-14001-zertifiziert sein müssen, bzw. sofern keine Zertifizierung vorliegt, das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit zumindest in der Vereinsstrategie verankert sein muss. Die Golf Environment Organization (GEO) Foundation ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die dem Golfsport hilft, die positiven Auswirkungen auf Mensch und Natur aufzuzeigen. Nach eigener Aussage verwaltet GEO mittlerweile das weltweit führende Nachhaltigkeitssystem für den Golfsport, das für drei Schlüsselbereiche – Betrieb von Golfanlagen (GEO certified facility), Neu- und Umbau von Golfanlagen (GEO certified development), Turniere (GEO certified tournament) – entwickelt worden ist. Eine Vereinbarung zwischen Swiss Golf und der Golf Environment Organization (GEO) vereinfacht für Swiss-Golf-Mitglieder den Zugang zum OnCourse®-Programm, dem Online-Management-Tool von GEO. OnCourse®-Switzerland ist auf die Schweizer Gesetzgebung ausgelegt und in Deutsch und Französisch verfügbar. Mitglieder, die das Programm nutzen, werden von Swiss Golf und der ASGI finanziell unterstützt. Zudem organisiert Swiss Golf Nachhaltigkeits-Workshops und investiert mit einem jährlichen Unterstützungsbeitrag in GEO – mit letzterem wird auf nationaler wie internationaler Ebene ein Benchmarking und Best-Practice-Sharing sichergestellt.

Anfang Mai 2022 sind 22 Schweizer Golfanlagen GEO-zertifiziert, 32 weitere bei OnCourse®-Switzerland angemeldet und damit auf dem Weg zur Zertifizierung. Drei weitere sind ISO 14001 zertifiziert.

Erste umfassende Ökobilanz im Golfsport

Die Verantwortlichen bei Swiss Golf legen grössten Wert darauf, faktenbasiert zu kommunizieren. Das heisst auch: Nachhaltigkeit muss messbar sein! Dafür hat der Verband 2020 bei der auf Umweltberatungen spezialisierten Umtec Technologie AG (UTech) in Hombrechtikon SG die Entwicklung eines Ökobilanzmodells sowie einer Ökoeffizienz- und einer Ökoeffektivitätsanalyse in Auftrag gegeben. Warum? Um die Auswirkungen einer Golfanlage auf die Umwelt gesamthaft darzustellen, bedarf es einer Ökobilanz, welche sowohl den Footprint (Umweltschaden) wie auch den Handprint (Umweltnutzen) der Anlage erfasst und diese beiden in Relation stellt. Die gängigen und international angewandten Ökobilanz-Modelle berücksichtigen allerdings die für den Handprint einer Golfanlage wichtigen Faktoren «Biodiversität» und «Lärm» nicht ausreichend. Anders das von UTech für Swiss Golf entwickelte Ökobilanz-Modell, das bei seiner Präsentation vor Vertretern der europäischen Golfverbände im April 2021 international für Aufsehen sorgte.

UTech arbeitete bei der Entwicklung des weltweit ersten umfassenden Ökobilanz-Modells im Golfsport mit zwei frisch GEO-zertifizierten Schweizer Golfclubs zusammen, da diese über aktuelles und umfassendes Datenmaterial verfügen. Um eine Ökobilanz zu erstellen, müssen positive wie negative Umweltauswirkungen jeder Massnahme quantifiziert und in eine gemeinsame «Währung» umgerechnet werden. Dabei gelangen international unterschiedliche Methoden zur Anwendung. UTech nutzt für die Berechnungen der Golfanlagen gleich mehrere. In erster Linie gelangt die vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) entwickelte und in der Schweiz gebräuchliche Methode der Umweltbelastungspunkte (UBP) zum Einsatz. Zusätzlich wendet UTech die internationale ILCD-Methode (International Life Cycle Data) an, berechnet die Treibhausgase (CO2-Äquivalente), den Gesamtenergieaufwand (inkl. Grauenergie) sowie mittels LC-Impact auch die Biodiversität. Lärm und Biodiversität lassen sich insofern berücksichtigen, als man das Golfplatzgelände in Relation zur früheren Nutzung setzt und so vermiedener Lärm und der vergleichsweise geringe Verlust an Artenvielfalt positiv ins Gewicht fallen. Sämtliche Werte der umweltrelevanten Auswirkungen werden in UBPs umgerechnet, wobei positive Umweltwirkungen in «vermiedenen Umweltbelastungspunkten» (vUBP) ausgewiesen werden. Anhand dieser UBPs und vUBPs lässt sich eine Ökobilanz erstellen.

Handlungsoptionen für nachhaltigeren Golfsport

Um Verbesserungen einzuleiten muss man wissen, welche Massnahmen eine besonders grosse Wirkung auf die Umwelt haben – auch in Relation zu den Kosten. UTech hat den Specific Eco Benefit Indicator (SEBI) erfunden, der nun auch im Golfsport zur Anwendung gelangt. Dieser Indikator zeigt auf, in welche Umweltmassnahme das Geld hinsichtlich des ökologischen Nutzens am besten investiert ist. Bis Ende 2021 wurden für sechs GEO-zertifizierte Golfanlagen in unterschiedlichen Regionen der Schweiz Ökobilanzen erstellt und SEBI-Studien durchgeführt. Auf Basis der dadurch gewonnenen Daten lassen sich Hochrechnungen für die gesamte Schweizer Golfbranche erstellen, vor allem aber auch allgemein gültige Rückschlüsse auf besonders ökoeffiziente und ökoeffektive Massnahmen ziehen. Zudem kristallisierten sich die ökologischen Hot-Spots des Schweizer Golfsports heraus. Es sind dies: Ressourcen (Bau von Clubhaus und Golfplatz), Betriebsmittel (Pflege des Golfplatzes) sowie Energie und Mobilität (An- und Abreise). Von untergeordneter ökologischer Bedeutung sind die Bereiche Wasser, Abfälle und Lärmvermeidung; sie belasten die Ökobilanz des Golfsports nur in geringem Masse. Die grössten ökologischen Entlastungen (Umweltnutzen) liefern die CO2-Sequestration der Rasengräser sowie biodiversitätsfördernde Massnahmen.

Blumenwiesen und naturnahe Gewässer sind wertvolle Biodiversitäts-Elemente auf Golfplätzen (hier Golf Club Klosters).

Basierend auf der SEBI- sowie der Ökosystemdienstleistung-Studie – sie zeigt auf, welche Dienstleistungen die Golfbranche der Gesellschaft gegenüber erbringt – erstellte Swiss Golf Anfang 2022 einen Aktionsplan, in welchem die zehn ökoeffizientesten und ökoeffektivsten Massnahmen aufgezeigt werden. Mit der Umsetzung der zehn genannten Massnahmen lassen sich 76 Prozent der gesamten Umweltwirkung einer Golfanlage einsparen.

Zehn Massnahmen – 76 Prozent geringere Umweltwirkung:

  • Biodiversität: Schaffung und Vernetzung ökologischer Lebensräume
  • Aussaat resistenter und CO2-speichernder Rasensorten
  • Elektrifizierung des Maschinenparks (Ersatz von Verbrennungsmotoren ( Amortisation: 10 Jahre)
  • Einrichtung von Waschzonen mit Wasseraufbereitung (Amortisation: 15 Jahre)
  • Rasenpflege ohne synthetische Pflanzenschutzmittel
  • Installation von Heizsystemen mit erneuerbarer Energie (Amortisation: 25 Jahre)
  • Effiziente Bewässerung der Rasenflächen (Amortisation: 25 Jahre)
  • Ökologische Rasenpflege (organische Düngemittel, mechanische Pflege)
  • Photovoltaik-Produktion für den Eigenverbrauch
  • Mobilität und Kauf von CO2-Zertifikaten

Mit vereinten Kräften in Richtung Nachhaltigkeit

Seit Herbst 2021 kümmert sich die studierte Agronomin Alicia Moulin als Managerin Nachhaltigkeit auf der Geschäftsstelle von Swiss Golf darum, dass die vom Vorstand und der Kommission Nachhaltigkeit & Golfanlagen formulierten Nachhaltigkeitsziele des Verbands umgesetzt werden. Sie unterstützt die Clubs und Golfanlagen zudem bei der Erreichung deren Nachhaltigkeitsziele. Unterstützung erhält die Managerin Nachhaltigkeit durch neu geschaffene Arbeitsgruppen. In diesen nehmen Spezialist/innen aus verschiedenen Bereichen des Golfsports und der Gesellschaft Einsitz. Im ersten Quartal 2022 formieren sich folgende Arbeitsgruppen:

  • Kommunikation 
  • Biodiversität (kümmert sich unter anderem um die Vernetzung von Ökozonen)
  • Nachhaltige Rasenbewirtschaftung (Pestizidfreies Bewirtschaften; Rasensorten, die CO2 binden; mechanische Bewirtschaftung; organische Dünger, etc.)

Zu einem späteren – aber nicht allzu fernen – Zeitpunkt sollen weiteren Arbeitsgruppen zu folgenden Themen gebildet werden:

  • Wassermanagement auf Golfplätzen
  • Umstellung auf Elektrobetrieb und kleine Photovoltaikanlagen
  • Waschstationen zum Sammeln von Öl, PSM, Dünger
  • Solarthermie in Kombination mit Pelletheizung
  • Chartas für Einkauf und Recycling im Gastgewerbe
  • Mobilität von Golferinnen und Golfern und CO2-Zertifikate für Klimaneutralität

Weitere Informationen: https://swissgolf.ch/de/nachhaltigkeit/
Kontakt: Alicia Moulin, Managerin Nachhaltigkeit, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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