Schonen Fähren das Klima?

Auch bei den Fähren kommt die Energiewende langsam an Auch bei den Fähren kommt die Energiewende langsam an

Fähren werden oftmals als klimaschonendende Alternative zum Flugzeug genannt. Aber sind sie tatsächlich so umweltschonend?

Wir alle wissen: Fliegen ist eine der klimaschädlichsten Aktivitäten. Deshalb vermeiden immer mehr Menschen wenn möglich das Fliegen und verbringen die Ferien stattdessen in der Nähe oder weichen auf andere Verkehrsmittel aus. Eine beliebte Alternative ist die Fähre. Doch bei so manchem mag die Frage aufkommen, ob Schiffe nicht sogar noch umweltbelastender sind als Flugzeuge, werden sie doch mit Schweröl betrieben.

In der Diskussion um die Umweltbilanz von Schiffen ist sehr wichtig, zwischen verschiedenen Typen von Schiffen zu unterscheiden. Denn deren Umweltbilanzen fallen sehr unterschiedlich aus: Während ein Segelboot ohne Motor überhaupt keine direkten Emissionen verursacht, stösst ein Kreuzfahrtschiff sehr viel direktes, aber auch viel indirektes CO2 aus – etwa auf Grund der grossen Mengen an Konsumgütern an Bord. Auch bei den Fähren gibt es diesbezüglich sicherlich grosse Unterschiede. Wichtige Faktoren wären beispielsweise das Abfall- oder das Betankungsmanagement. Zurzeit ist es (noch) schwierig, Umweltkennzahlen von Schiffereibetrieben zu erhalten. Die meisten halten ihre CO2-Emissionen bedeckt, was es erschwert, abschliessende Aussagen über die Umweltbilanz von Fähren zu treffen.


Entscheidend für die Umweltbilanz von Reisen per Fähre ist, ob ein Auto transportiert wird oder nur der Reisende. Während der CO2-Ausstoss für eine Passagierin ohne Auto bei rund 18g CO2 pro Kilometer liegt, wird für einen Passagier plus Auto mit einem CO2-Ausstoss von 128 g CO2 pro Kilometer gerechnet (BEIS, gov.uk). Während einer Autofahrt werden hingegen rund 171 g CO2/kg emittiert. Bei einer Belegung von 4 Personen können diese Emissionen auf 43 g pro Personenkilometer reduziert werden.
Beim Flugzeug fallen die Zahlen dann aber doch noch ein wenig höher aus als bei der Autofähre: Für einen Inlandflug wird mit 254 g CO2 pro Kilometer, für einen Langstreckenflug mit 195 g CO2 pro Kilometer gerechnet. Hier sind die Sekundäreffekte der Emissionen in hohen Luftschichten miteingerechnet, denn dort richten sie besonders grossen Schaden an. Die Zahlen zeigen, dass die Reise mit der Fähre grundsätzlich ein wenig klimaschonender ist als ein Flug über die gleiche Strecke – Je mehr Personen mit einem Auto auf der Fähre transportiert werden, desto deutlicher.

Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass bei der Fähre wahrscheinlich mit Mittelwerten gerechnet wurde, das heisst mit einer höheren Belegung als 1 Person und einer tieferen als 4 Personen pro Fahrzeug. Trifft das zu, dürfte ein Alleinreisender das Klima bei einer Reise per Auto und Fähre ähnlich stark belasten wie durch eine Flugreise.

Daneben darf nicht vergessen werden, dass Fähren normalerweise mit Schweröl betrieben werden und dadurch eine potenzielle Bedrohung für das sensible Ökosystem Meer darstellen. Wenn Öl ausläuft, hat das schwerwiegende Folgen für Meeresbewohner. Die unsaubere Entsorgung von Schweröl-Abfällen (Sludge) wurde schon wiederholt von Umweltverbänden angeprangert. Ausserdem entstehen bei der Verbrennung von Schweröl Schwefeldioxid und giftiger Russ, der oftmals ungefiltert in die Atmosphäre geblasen wird.

2020 wurde ein Meilenstein erreicht in der Bekämpfung der durch die Schifffahrt verursachten Umweltverschmutzung: Seither dürfen Schifffahrtsgesellschaften nur noch Kraftstoffe mit maximal 0.5% Schwefelanteil einsetzen. Es gibt aber auch Unternehmen, die über die Vorgaben hinausgehen und teilweise Kraftstoffe mit nur noch 0.1% Schwefel einsetzen oder aber auf elektrischen Antrieb umstellen. Vor allem letzteres ist zu begrüssen und hoffentlich der Startschuss für die Fahrt in eine umweltfreundlichere Zukunft zu Wasser.

Quellen und weitere Informationen:
BBC: Should you fly, drive or take the train?

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