Auch unser Wald ist durstig

Unser Wald leidet zunehmend an der Trockenheit: Nicht nur im aktuellen Hitzesommer. Der Wassermangel ist vielerorts zum Normalzustand geworden.

Die nächste Hitzewelle ist angekommen – schon die Dritte im Sommer 2022. Roger Perret von Meteo News rechnet gar damit, dass der Sommer als zweitwärmster nach dem Hitzesommer 2003 in die Geschichte eingehen wird.

Die Gewässerpegel sind tief. Für den Rhein wird bereits das Szenario der Unbefahrbarkeit für den Gütertransport diskutiert. Doch nicht nur die Gewässer und die darin lebenden Tiere leiden unter der Hitze und Trockenheit, sondern auch die Wälder. Diese sind momentan in weiten Teilen der Schweiz ungenügend mit Wasser versorgt. Aufgrund der erhöhten Waldbrandgefahr war das Zünden von Feuerwerk am 1. August deshalb in fast der ganzen Schweiz untersagt.

Langandauernder Trockenheitsstress

Intensiver Trockenheitsstress wird normalerweise nicht durch einen einzelnen niederschlagsarmen Sommer ausgelöst. Was dem Wald an die Substanz geht, sind mehrere aufeinanderfolgende trockene Jahre. Ein niederschlagsarmes Jahr kann die Physiologie und das Wachstum des Baumes bis zu vier oder noch mehr Jahre beeinträchtigen. Das zeigte sich in den letzten Jahren insbesondere an der Fichte: Trotz der niederschlagsreicheren Sommer nach dem Hitzesommer 2018 ging das Fichtenwachstum auch in den folgenden Jahren weiter zurück. Viele der geschwächten Bäume wurden von Borkenkäfer befallen und starben ab. Zahlreiche Buchen vertrockneten erst ein Jahr später im Jahr 2019, unter anderem im Kanton Jura. Die Schäden an Fichten- und Buchenbeständen waren 2018 deutlich grösser als im Rekordsommer 2003. Gründe dafür sind vermutlich die früher beginnende Trockenheit im Frühjahr sowie die Häufung von niederschlagsarmen Jahren.

Eine weitere Schwierigkeit für den Wald ist der zu hohe Stickstoffeintrag aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie. Stickstoff kurbelt das Wachstum des Baumes an. Um während des beschleunigten Wachstums gesund zu  bleiben, fehlen ihm aber andere wichtige Nährstoffe. Kombiniert mit der Trockenheit führt das oftmals zum Absterben des Baumes. Auch die Wahrscheinlichkeit für Befall durch Schädlinge nimmt bei geschwächten Bäumen zu.

Lösungen für die Zukunft gefragt

Die Problematik des Trockenheitsstresses unseres Waldes wird uns auch in Zukunft noch begleiten – mit fortschreitendem Klimawandel wird sie sich sehr wahrscheinlich nach weiter verschärfen. Die Folgen des Klimawandels veranlassen die Forstwirtschaft, neue Lösungen zu suchen, um den Wald der Zukunft hitze- und trockenheitsresistenter zu machen. Als Hoffnungsträger gilt beispielsweise die Eiche. Diese ist sehr trockenheitsresistent und zudem äusserst wertvoll für die tierische Artenvielfalt. Es wird auch die Eignung von Exoten etwa aus Südeuropa getestet. Klar ist jedoch, dass in Zukunft auf Mischkulturen gesetzt werden wird. Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass Monokulturen anfällig für Störungen wie Schädlingsbefall oder eben die Auswirkungen des Klimawandels sind.

Quellen und weitere Informationen:
Interkantonales Walddauerbeobachtungsprogramm: Wie geht es unserem Wald? 38 Jahre Walddauerbeobachtung
WSL: Waldbäume litten auch nach 2018 unter der Hitzewelle
BAFU: Vielfältige Wälder sind besser auf die Zukunft vorbereitet
«Der Jetstream ist total blockiert»

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