Das Geschäft mit der Schokolade

Am Kakaogeschäft verdienen nur einzelne Am Kakaogeschäft verdienen nur einzelne

Bald ist Ostern, die Absatzzahlen für Schokoladen steigen rapide. Ein äusserst lukratives Geschäft für einige wenige.

Kaum ein Land ist so bekannt für seine Schokolade wie die Schweiz. Die verarbeiteten Kakaobohnen werden jedoch mehrere tausend Kilometer entfernt, weitab von Schweizer Qualitätsstandards angebaut. Heute wird ca. 75% der weltweit verkauften Schokolade in Westafrika angebaut. Die Kakaobauern an der Elfenbeinküste sehen sehr wenig von den Milliarden, welche die Schokoladenindustrie jährlich erwirtschaftet. Nebst sozialen Missständen führt die Kakaoindustrie zu zahlreichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Der Kakaoanbau ist ein Treiber der globalen Abholzung von Regenwäldern. Diese Abholzung führt zum Verlust der Artenvielfalt und treibt den Klimawandel an.

Viele Worte, wenig Taten

Obwohl in den letzten 20 Jahren das Bewusstsein für faire Produktionsketten stark zugenommen hat, veränderte sich sehr wenig. Armut, Kinderarbeit und die Abholzung von Wäldern sind nach wie vor ein enormes Problem. 2018 lebten an der Elfenbeinküste 88% der zertifizierten Kakaobauern unter dem Existenzminimum. Und das, obwohl etwa die Hälfte der weltweit produzierten Schokolade unter einem Fairtrade-Label produziert wird. Fairtrade bedeutet also nicht zwingend, dass die Produkte nachhaltig hergestellt wurden.

Ein grundlegendes Problem für die schlechten Arbeitsbedingungen und tiefen Umweltstandards ist die fehlende Haftung der Konzerne. Aufgrund von Gesetzeslücken werden die Regelungen auch heute noch oft umgangen. Das hat auch damit zu tun, dass die Regierungen in den Produktionsländern oftmals korrupt sind und ineffizient arbeiten.

Ohne Transparenz keine Nachhaltigkeit

Die Produktionsbedingungen sind für den Käufer sehr schwer nachvollziehbar, da die erforderlichen Daten nicht publiziert werden. Die Transparenz des Kakaoanbaus ist im Vergleich mit anderen Lebensmitteln sehr schlecht. Auch bei Fairtrade oder UTZ-zertifizierter Schokolade ist die Lieferkette nicht automatisch rückverfolgbar, wie das etwa bei Kaffee der Fall ist. Das ist sehr problematisch, da dadurch Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung der Umwelt nicht ausgeschlossen werden können.

Auch die Voraussetzungen für den Erhalt der Fairtradelabels stehen zur Diskussion. Heute setzen Fairtrade-Labels beim Anbau an. Das impliziert, dass das Problem bei den Kakaobauern liegt. Diese müssen sich den neuen Standards anpassen, während die grossen Firmen so weiterarbeiten wie zuvor. Eine weitere Schwierigkeit ist der Preiswettbewerb zwischen den verschiedenen Labels. Unternehmen tendieren dazu, das preisgünstigste Label zu verwenden, was einen Preisdruck bei den Labelanbietern verursacht. Doch trotz der Mängel der Zertifizierungslabels kann man hier durch den bewussten Einkauf einen Unterschied machen. Fairtradelabels erhöhen, wenn auch nicht ausreichend, das Einkommen der Produzenten. Sie setzen sich gegen Kinderarbeit ein und fördern die Nachhaltigkeit.

Lokaler Einsatz für eine faire Schokoladenproduktion

Trotz der negativen Gesamtbilanz der letzten 20 Jahre konnten in den letzten paar Jahren auch positive Entwicklungen beobachtet werden. Sowohl von Seiten der Regierungen wie auch der Unternehmen wurden neue Regulierungen eingeführt. Besonders bemerkenswert ist die Entstehung von lokalen NGOs und Netzwerken, die sich für den fairen Kakaoanbau einsetzen. Diese Entwicklung lässt hoffen, dass die Stimme der Menschen am Anfang der Produktionskette in Zukunft mehr Gehör findet und auch die Umwelt besser geschützt wird.

Quellen und weitere Informationen:
Fountain, Antonie C. and Hütz-Adams, Friedel (2020): 2020 Cocoa Barometer
oekotest.de: Schokolade im Test

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