Cobalt - das nächste Erdöl?

Kinder im Cobalt-Abbau im Kongo Kinder im Cobalt-Abbau im Kongo

Auch die scheinbar grüne Energiewende hat ihre dunklen Seiten. Führt der Aufbau einer auf Elektrizität basierenden Infrastruktur zu ähnlichen Schäden wie der bisherige Einsatz von Erdöl?

Neueste Ereignisse, aber auch jahrzehntealte Prognosen, zeigen eine Sache sehr deutlich: Wir brauchen dringend eine Alternative zu fossilen Energieträgern. Im Zentrum der Energiewende steht die Erneuerbarkeit unserer Energiequellen. Elektrizität spielt in dieser Entwicklung eine enorm wichtige Rolle. Das führt unter anderem zu einem drastischen Anstieg in der Nachfrage für Elektrofahrzeuge. Doch dabei stellt sich eine entscheidende Frage: Ist diese Elektrifizierung wirklich so grün; wie sie uns verkauft wird?

Der Boom in der E-Fahrzeug-Industrie führt zu einem massiven Konkurrenzkampf zwischen verschiedenen Herstellern. Ein zentraler Faktor in diesem Wettbewerb ist die Reichweite der Batterien. An diesem Punkt kommt ein relevanter Rohstoff ins Spiel: Cobalt.
Cobalt reguliert die Temperaturen einer Batterie, führt somit zu weniger Energieverbrauch und folglich zu mehr Reichweite. Cobalt ist nicht nur für Fahrzeuge, sondern für Batterien aller Art entscheidend. Es ist also zentral für die gesamte Energiewende.

Chinas Hand in Afrika

Aus dem Kongo stammen über 70 Prozent der globalen Cobalt-Produktion. Daraus könnte man schliessen, dass dies massive Vorteile für die Wirtschaft des Kongos hat - doch hier beginnt die dunkle Seite der Elektrifizierung. Ganze 15 von insgesamt 19 Cobalt-Minen im Kongo werden von chinesischen Firmen kontrolliert, welche überwiegend an eine handvoll wiederum chinesische Firmen exportieren. Im gesundheitsgefährenden Umfeld der Minen arbeiten erschreckend viele Kinder.

Wo sind wir also angekommen? Der Abbau von Cobalt wiederholt auf den ersten Blick die Geschichte: Waldrodung, Wasserverschmutzung, Ausbeutung... und vor allem ist Cobalt, genau wie Erdöl, eine endliche Ressource. Ist Cobalt also das neue Erdöl, nur diesmal umhüllt von einem grünen Filter? Ist die Energiewende in Realität nur eine weitere Instanz von Neo-Kolonialismus und falschen Versprechen von Nachhaltigkeit?
Ganz so simpel ist es eben doch nicht.

Der lange Weg in die erneuerbare Zukunft

Obwohl wir unsere Energiequellen so schnell wie möglich wechseln müssen, sind bei solch grossen Umstellungen immer auch langfristige Erwägungen nötig. Entscheidend sind die Möglichkeiten, welche von neuen Technologien geschaffen werden. Während Erdöl durch das Verbrennen vernichtet wird, kann das Cobalt aus Batterien recycelt werden. Ausserdem können die Batterien, die nach langem Gebrauch nicht mehr für Fahrzeuge geeignet sind, z.B. als Solarenergie-Speicher genutzt werden.

Wir sind zwar auf jeden Fall immer noch weit von einer nachhaltigen Weltordnung entfernt, und die Beschaffung der wichtigsten Rohstoffen für eine grüne Zukunft muss noch massiv verbessert werden. Aber ein Umstieg auf Batterien und Elektronik insgesamt bietet bei weitem bessere Aussichten, dieses Ziel zu erreichen. Man sollte sich dabei halt nur immer bewusst machen, dass auch Batterien nicht auf den Bäumen wachsen - auch wenn das von den Herstellern gern beschönigt wird. Trotzdem bietet diese Technologie einen nachhaltigen Kreislauf, weil wir Elektronen in einem vertretbaren Zeitraum zirkulieren lassen können, anders als bei unserer momentanen, zerstörerischen Kohlenstoff-Wirtschaft.

 

Quellen und weitere Informationen:
Deutschlandfunk: Kobaltabbau und Kinderarbeit
Serge Pelissier, The Conversation: Can electric vehicle batteries be recycled?
NY Times: Chinesische Kobaltminen im Kongo
Reuters: Costs of nickel and cobalt used in electric vehicle batteries

 

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