Die Wechselkröte — Gut getarnt, und doch gefährdet

Die Wechselkröte kann ihre Grundfarbe an die Umgebung anpassen Die Wechselkröte kann ihre Grundfarbe an die Umgebung anpassen

Ihr beige-grün geflecktes Tarnmuster macht die Wechselkröte zum unverwechselbaren Sympathieträger unter den einheimischen Amphibien. Die seltene und durch Lebensraumverluste stark gefährdete Art wurde zum Lurch des Jahres 2022 gekürt.

Nachdem 2020 und 2021 in Folge die Zauneidechse die Auszeichnung als «Reptil des Jahres» erhielt, kommt mit der Wechselkröte (Bufotes viridis) endlich wieder Abwechslung in die Abfolge der einheimischen Kriechtiere als Art des Jahres. Seit dem Jahr 2006 machen die Österreichische Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) und die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) mit der Aktion auf die gefährdete Lage von Reptilien und Amphibien aufmerksam. Jedes Jahr küren die Gesellschaften entweder ein Reptil oder einen Lurch abwechselnd als Kriechtier des Jahres. Nachdem coronabedingt die Zauneidechse zwei Jahre hintereinander als Reptil des Jahres galt, ist mit der Wechselkröte nun wieder ein Lurch an der Reihe.


Camouflage-Königin ist höchst gefährdet

Die Auszeichnung konnte nicht früh genug kommen, denn die rund 7 Zentimeter lange Wechselkröte hat Schutz bitter nötig. Aufgrund der drastischen Bestandsrückgänge gilt sie als eine der am stärksten bedrohten Amphibienarten Deutschlands. Dort wie auch in Österreich gilt sie als „stark gefährdet“; in der Schweiz ist die Wechselkröte bereits ausgestorben.

Die Wechselkröte hat ihren Namen vermutlich aufgrund ihrer kontrastreichen Fleckung und ihrer Fähigkeit, ihre Grundfärbung je nach Farbe des Untergrunds abzudunkeln oder aufzuhellen.


Selbst die Kulturfolgerin kann nicht mithalten

Höchst anpassungsfähig ist die Wechselkröte auch, was ihren Lebensraum anbelangt. Als Kulturfolgerin konnte die Wechselkröte lange Zeit mit den Lebensraumveränderungen mithalten, die der Mensch ausgelöst hat. Mittlerweile hat sich die Landnutzung durch den Menschen aber so stark intensiviert, dass nicht einmal mehr sie mithalten kann. Ursprünglich war die Wechselkröte in dynamischen Flussauen zu Hause, doch diese kommen kaum mehr vor, denn die industrialisierte Landwirtschaft hat die Landschaft zerschnitten und drastische Biotopverluste herbeigeführt (verschuldet?). Rückzug fand die wärmeliebende Art schliesslich in Kiesgruben, Tagebauen und Steinbrüchen. Doch selbst dieses neue Zuhause wird zunehmend durch das Verfüllen oder Veränderungen in der Tagebaunutzung zerstört. Als wanderfreudige Art ist die Wechselkröte zusätzlich von der Zerschneidung ihrer Lebensräume durch Strassen betroffen. Auch die Trockenheit der letzten Jahre hat das Angebot an geeigneten Kleinstgewässern als Laichgebiet massiv verringert.


Kröten-Paradies im Garten

Eine naturnahe Gartengestaltung kann der Wechselkröte und anderen Amphibien und Reptilien wichtige Lebensräume bieten. Im Gegenzug dazu dezimiert sie unbeliebte „Schädlinge“, weshalb sie in Gärtnereien als gern gesehener Gast gilt. Amphibien und Reptilien im eigenen Garten zu fördern, ist gar nicht so schwer. Strukturvielfalt schafft Nahrungsangebot und Versteckplätze. Ein Gartenteich lockt Kröten, Frösche und Molche an, der Wechselkröte kann es im Frühjahr als Laichgebiet dienen. Auch harmlose Ringelnattern freuen sich über ein feuchtes Rückzugsgebiet. Lückenreiche Trockenmauern werden gerne von Eidechsen besiedelt; in einen Komposthaufen können Schlangen ihre Eier ablegen, und Dornenbüsche schützen vor herumstreunenden Katzen.

 

Quellen und weitere Informationen:
DGHT: Lurch des Jahres 2022
ÖGH: Gartenfreunde (Tipps für einen amphibienfreundlichen Garten)
karch: Amphibienschutz vor der Haustür

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.