Was die Fledermaus mit der Mango zu tun hat

Die Fledermaus ist kein konventionelles Säugetier Die Fledermaus ist kein konventionelles Säugetier

Die Fledermaus ist mit ihrer unkonventionellen Lebensweise wahrlich eine Exotin unter den Säugetieren. Doch was hat wohl das aussergewöhnliche Säugetier mit einer tropischen Frucht zu tun?

Sie ist ein faszinierendes Tier, die Fledermaus. Der Fakt, dass es sich bei ihr um das einzige fliegende Säugetier handelt, ist lange nicht die einzige Besonderheit an dem kleinen Fellbündel mit den grossen Flügeln. Besonders spannend ist ihre Art und Weise, die Welt um sich herum wahrzunehmen. Das geschieht bei ihr – wie allgemein bekannt – auf ganz andere Weise als bei anderen Säugetieren. Ihre Orientierung funktioniert über ein äusserst ausgeklügeltes Echo-Ortungssystem. Mittels Rufen im Ultraschallbereich erstellt die Fledermaus ein Hörbild ihrer Umgebung. Bei der Navigation im näheren Umkreis kann sie sich voll und ganz auf dieses höchst zuverlässige System verlassen. Um sich in einem grösseren Perimeter zurechtzufinden, beispielsweise bei längeren Flügen oder zur Fernerkennung von Feinden, benutzt sie ihre Augen; ab einer Distanz von 10 Metern wird ihr Ortungssystem jedoch ungenau.

Fledermäuse als Blütenbesucherinnen

Fledermäuse weisen nicht nur im Vergleich zu anderen Tiergruppen sehr spezifische Merkmale auf; die einzelnen Fledermausarten unterscheiden sich auch voneinander sehr stark. So gibt es etwa in den Tropen und Subtropen Fledertiere, die Blüten bestäuben oder Früchte essen. Letztere werden als Fruchtvampire bezeichnet. Durch das Essen der Früchte und Ausscheiden derer Samen verbreiten sie die Pflanzen. Dabei darf auch ihre Bedeutung als Blütenbestäuberin nicht unterschätzt werden: In den Subtropen und Tropen sind die Fledertiere und Flughunde Bestäuberinnen von über 500 Pflanzenarten, darunter der Mango. Gut möglich also, dass es die tropische Frucht in unserer Früchteschale nur mit Hilfe eines faszinierenden Flugsäugers dorthin geschafft hat.

Unsere einheimischen Fledermäuse halten während rund fünf Monaten einen Winterschlaf, denn von November bis März sind Insekten nur sehr spärlich vorhanden. Sie zehren während dieser Zeit von den in der warmen Jahreszeit angefressenen Fettreserven, die dann im Frühjahr entsprechend geschwunden sind. Trotzdem fliegen einige Fledermausarten nach ihrem Erwachen aus dem Winterschlaf bis über 1‘000 km Richtung Nordosten. Die Rauhautfledermaus und der kleine und grosse Abendsegler sind solche „Zugfledermäuse“. Bei den Abendseglern fliegen jedoch meistens nur die Weibchen, die dann ihre Jungen im Norden auf die Welt bringen und aufziehen.

Zunehmende Wohnungsnot

Ein schützendes Winterquartier zu finden, wird für Fledermäuse immer schwieriger, denn durch Haussanierungen und das Abreissen von alten Gebäude verschwinden wertvolle Fledermaus-Habitate wie Dachböden oder Schornsteine. Der aktive Schutz der spannenden Säugetiere ist deshalb unverändert notwendig. Dieser kommt auch uns zu Gute: Die Ökosystem-Leistungen von Fledermäusen in der Schweiz werden auf mehrere 100 Millionen Franken pro Jahr geschätzt. Alleine für den Maisanbau belaufen sich die Nutzen weltweit auf über eine Milliarde Franken pro Jahr, denn die Fledertiere schützen die Maiskulturen durch die Vertilgung von Schädlingen vor Pilz- oder Larvenbefall.
In den Tropen ist die Fledermaus nicht nur Mango-Bestäuberin, sondern durch ihren hohen Insektenkonsum eine äusserst effektive Bekämpferin des Malaria-Erregers. Auch uns in der Schweiz hält sie Mücken vom Leibe: Eine Zwergfledermaus frisst bis zu 4000 Mücken pro Nacht.

 

Quellen und weitere Informationen:
MPG: Auch Fledermäuse benutzen ihre Augen
Bat Conservation Trust: Bats as Pollinators
Stiftung Fledermausschutz: Fledermausfreundliches Haus
PNAS: Bats initiate vital agroecological interactions in corn

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