Nachlässigkeit gegenüber Haustieren

04 Sep 2012
Auch Nagetiere werden zu tausenden in Tierheimen abgegeben. Auch Nagetiere werden zu tausenden in Tierheimen abgegeben.

Der Trend zum Abschieben oder Aussetzen von Haustieren ist ungebrochen: Im  vergangenen Jahr wurden 23'414 Tiere in Schweizer Tierheimen aufgenommen. Sehr bedenklich, dass die Wegwerfmentalität sogar vor unseren Mitgeschöpfen keinen Halt macht.

Die Zahl der Haustiere, die jedes Jahr in Schweizer Tierheimen aufgenommen werden, ist gross. 2011 wurden laut Statistik des Schweizer Tierschutzes 23'414 Tiere abgegeben oder aufgenommen. Mehr als die Hälfte davon sind Katzen; dazu kommen gut 4'000 Hunde, 3'500 Nagetiere und knapp 3'000 andere Tiere wie Schildkröten oder Vögel. Fische sind von der Statistik ausgenommen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gesamtzahlen etwa gleich hoch, von 2009 bis 2010 ist eine leichte Zunahme zu verzeichnen.

Dass nach wie vor viele Haustiere in den Heimen landen, ist laut Heinz Lienhard, Präsident des Schweizer Tierschutzes STS, wesentlich auf die "Wegwerfmentalität" vieler Leute zurückzuführen. Zu oft werden Haustiere unüberlegt angeschafft. Durch die zahlreichen, teilweise sehr billigen Angebote im Internet ist der Kauf verlockender als je zuvor. Hingegen bleibt eine artgerechte Haltung auch im digitalen Zeitalter eine Verantwortung, die mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Die Schnelllebigkeit unserer modernen Kultur ändert nichts an der Lebenserwartung der Tiere. Oft wird vergessen, dass man sich mit der Anschaffung eines Haustieres zu mehreren Jahren oder Jahrzehnten der Betreuung verpflichtet. Wird das Haustier aus einer spontanen Laune heraus gekauft und später bemerkt, dass viel Arbeit damit verbunden ist oder eine Betreuung während der Ferienabwesenheit organisiert und finanziert werden muss, wird die Option Tierheim gewählt. Oder noch schlimmer: Man setzt das Tier einfach irgendwo aus. Das trifft auf fast ein Drittel aller aufgenommenen Tiere zu, die im Wald oder anderswo in freier Natur aufgefunden werden.

Natürlich gelangen nicht alle ausgesetzten Tiere ins Heim. Viele Kleintiere haben nur geringe Überlebenschancen. Sie sich selbst zu überlassen kommt einer Tötung gleich. Etwas anders gestaltet sich die Lage bei den Katzen, die gute Jäger und Überlebenskünstler sind. Hier hat die Nachlässigkeit der Besitzer zum Problem wildlebender Hauskatzen geführt, die sich vielerorts schnell vermehren und als gute Jäger verschiedene Tiere, darunter auch geschützte Arten, erbeuten. Deswegen dürfen verwilderte Hauskatzen von Personen mit Jagdlizenz in der Schweiz abgeschossen werden.

Abgesehen von den 23'414 Tieren, die im Jahr 2011 in Schweizer Heimen aufgenommen wurden, konnten im selben Jahr auch 16'157 Individuen weitervermittelt werden. Nur ein kleiner Teil davon ist zu seinem ursprünglichen Besitzer zurückgekehrt. Die Chancen, ein neues Zuhause zu finden, stehen dabei längst nicht für alle Tiere gleich gut. Junge, zutrauliche und niedliche Tiere habe es gegenüber älteren, scheueren oder grimmigeren Geschöpfen deutlich leichter, wieder einen Platz zu finden. Das ist auch zu erwarten, denn immerhin besagt das Lorenz'sche Kindchenschema, dass kindliche Proportionen (wie beispielswiese grosse Augen) bei Menschen auch artübergreifend ein Fürsorgeverhalten auslösen. Gegen dieses sollten wir uns also vielleicht wappnen, bevor unsere Kinder uns mit feuchttraurigen Augen um ein Haustier bitten.

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