Unsere grünen Klimaanlagen

Der Sommer ist noch jung, trotzdem beschert er uns bereits Rekordtemperaturen. So manche mögen sich nach einer Klimaanlage sehnen. Wir stellen Ihnen eine höchst effiziente Klimaanlage vor, die ausserdem eine unschlagbare Ökobilanz aufweist.

Wir schreiben das Jahr 2050, es ist Sommer und wir befinden uns in einer der grösseren Schweizer Städte. Die Hitze ist schier unerträglich: Die Temperaturen nähern sich schon seit über einer Woche jeden Tag unbehaglich nah der 40-Gradmarke. Wir können uns jedoch glücklich schätzen, dass wir im „Grünen Viertel“ der Stadt wohnen -  denn hier ist die Hitze zumindest nicht ganz so schlimm wie in den restlichen Teilen der Stadt. In der Planung des relativ neuen Stadtquartiers vor rund 20 Jahren, wurden landschaftsarchitektonische Massnahmen zur Eindämmung der Auswirkungen des Klimawandels einbezogen. Es wurden grosszügig Bäume gepflanzt und sämtliche Dächer sowie auch mehrere Fassaden begrünt. Die Wirkung dieser Massnahmen ist nun deutlich spürbar - Die Rückkehr nach Greenville, wie wir unser Quartier gerne nennen, ist jedes Mal eine Erleichterung.

Bäume als Klimaanlagen

Bäume spielen schon heute eine entscheidende Rolle in den zunehmend unter Klimastress leidenden Schweizer Städten. Seit einiger Zeit wird intensiv an Massnahmen zur Verringerung des sogenannten Hitzeinsel-Effekts geforscht. Dieser führt in der Stadt zu bis zu 10 C° höheren Temperaturen als in der umliegenden ländlichen Region. Das kommt vor allem daher, dass sich versiegelte Flächen wie Beton- und Asphaltflächen viel stärker erhitzen und nachts langsamer abkühlen als unversiegelte Flächen.

Die Kühlwirkung von Bäumen ist enorm: Ein 50-jähriger Baum erbringt die gleiche Kühlleistung wie zehn Klimaanlagen von 10 bis 30 Watt. Städtische Gebiete mit vielen Bäumen sind in Mitteleuropa durchschnittlich 8 - 12 ° C kühler als versiegelte städtische Gebiete ohne Vegetation. Aber nicht nur Bäume kühlen die Stadt. Alleine durch unversiegelte Flächen wie Grasflächen oder Blumenwiesen kann das Mikroklima merklich kühler ausfallen, denn Erde, Wiesen und Sträucher speichern weniger Hitze als Beton.

Die kühlende Wirkung von Bäumen ist aber nicht nur in deren Schatten zu spüren. Durch die Verdunstung von Wasser gibt der Baum kühle Luft an seine Umgebung ab. Ein Stadtpark kühlt so seine Umgebung im Durchschnitt bis 100 Meter über die Parkgrenze hinaus.

Eine wichtige Rolle für die Ausprägung des Hitzeinsel-Effekts kommt den Siedlungsrändern zu, denn dort findet der Luftaustausch zwischen Stadtzentrum und Stadtumgebung statt. Baumalleen an Stadträndern können dabei helfen, die kältere Luft aus der Umgebung in die Stadt zu leiten. Aber auch offene Bachläufe können als solche Kaltluftleitbahnen dienen. Dies ist ein zusätzliches Argument dafür, eingedolte Bachläufe von ihrer Betondecke zu befreien.  

Den ökologischen Aspekt nicht vernachlässigen

Massnahmen zur Verminderung des Hitzeinsel-Effekts und Massnahmen zur Förderung der Biodiversität dienen oftmals automatisch beiden Zielen gleichzeitig. Trotzdem kann die gezielte Berücksichtigung des jeweils anderen Ziels viel zur Optimierung beitragen oder sogar grössere ökologische Fehlentscheide verhindern. Der Ginkgo-Baum beispielsweise gilt als sehr robust gegen klimatischen Stress. Der ökologische Wert ist allerdings im Vergleich zu anderen Bäumen sehr gering: Eine Ginkgo-Allee wäre aus Sicht der Tiere nicht viel wertvoller als eine Plastikbaum-Allee. Bei der Wahl der Klimabäume sollten Arten bevorzugt werden, die gleichzeitig einen hohen ökologischen Wert aufweisen; wie etwa die Sommerlinde, die als wertvolle Futterpflanze für Insekten dient.

Quellen und weitere Informationen:
Empa: Jeder Baum zählt
Pusch: KlimaNaturoasen
Berner Fachhochschule: Städtische Grünflächen im Klimawandel
BUND: Ginkgo: Ökologisch kaum besser als ein Plastikbaum
The role of urban trees in reducing land surface temperatures in European cities

 

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