Schiffe tuckern beim Umweltschutz hinterher

Die Schifffahrtindustrie hat noch viele Hausaufgaben zu erledigen Die Schifffahrtindustrie hat noch viele Hausaufgaben zu erledigen

Die Blockade des Suez-Kanal durch das Containerschiff Evergiven beförderte letztes Jahr die Schifffahrtsindustrie ins Rampenlicht. Regulierungen ihres umweltschädlichen Gebarens werden nur sehr zögerlich eingeführt.

Sie fahren zu tausenden auf unseren Weltmeeren: Riesige Schiffe, mit unzähligen Containern beladen. Wenn ein Container den Weg über das weite Meer nicht schafft, ist das nicht so schlimm…zumindest aus Sicht der Reederei. Anders sieht es für die Umwelt aus. Oder für die Boote, die mit den UFOs (unidentified floating objects) kollidieren. Da sich der grösste Teil eines Containers unter Wasser befindet, gibt es immer mal wieder Zusammenstösse mit kleineren Schiffen wie etwa Yachten. Bei einer Kollision erleiden sie oftmals Schiffbruch. Nach Angaben des World Shipping Councils gehen im regulären Betrieb jährlich etwa 612 Container verloren. Werden Katastrophen mit einberechnet, steigt die Zahl auf jährlich 1390 Container.

Schweröl stark gesundheitsschädigend

Schiffe werden immer wieder als klimafreundliche Transportmittel gelobt. Ein LKW stosst pro Tonne und Kilometer 50 Gramm CO2 aus, ein Containerschiff lediglich 15.1 Gramm. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit:  Schiffe stossen grosse Mengen an klimaschädlichen Stickoxiden und Russ aus. Diese und weitere Luftschadstoffe schädigen sowohl die Umwelt sowie auch die Bevölkerung stark. Alleine in Europa veranschlagt man jährlich rund 50‘000 vorzeitige Todesfälle aufgrund der Belastung durch Schiffsabgase. Die Schifffahrt bläst jährlich riesige Mengen an Schwefel in die Luft. Der Schwefelgehalt im Schifftreibstoff darf seit 2020 noch maximal 0.5 Prozent betragen. Dieser Wert überschreitet den Schwefelgehalt von Lkw-und Pkw-Dieseltreibstoff immer noch um das 500-fache.

Kleiner finanzieller Aufwand würde Situation entschärfen

Eine Verringerung der gesundheitsschädigenden Wirkung wäre unter erstaunlich geringem Aufwand erreichbar. Durch den Einsatz von Diesel-Kraftstoff könnten 99% der Schwefelemissionen eingespart werden, die bei der Verbrennung von Schweröl anfallen. Die höheren Kosten für den Dieseltreibstoff könnten durch „Slow Steaming“ wieder ausgeglichen werden. Hierbei fährt das Schiff langsamer und reduziert dadurch seinen Treibstoffverbrauch. Selbst wenn die höheren Einkaufspreise für Dieseltreibstoff an keiner Stelle ausgeglichen würden, stiege der Preis für ein T-Shirt nur um 0.2 Cent und für einen Schuh um höchstens 3 Cent (NABU). Ebenfalls nötig wären wirksame Abgassysteme. Diese würde die Baukosten eines Schiffes um rund 1 Prozent erhöhen.

Mit diesen verhältnismässig günstigen Massnahmen könnten die Emissionen von Russ um 99 Prozent, von Stickoxiden um 97 Prozent und von weiteren toxischen Stoffen um mehr als 99 Prozent vermindert werden.

Umso erstaunlicher ist es, dass die drastische Verschmutzung der Luft und die Gefährdung der Bevölkerung durch Schiffe weiterhin geduldet werden. Der Unfall am Suez-Kanal letztes Jahr hat zwar die Aufmerksamkeit auf die Problematik der Schifffahrtsindustrie gelenkt - passiert ist seither allerdings nicht viel.

Containerschiffe nicht umweltschädlicher als andere Schiffe

Kontrastierend darf noch erwähnt werden, dass Containerschiffe an sich keine schlechte Erfindung sind. Das Aufeinanderstapeln einer grossen Anzahl Container spart eine Menge Platz und dadurch auch Treibstoff. Das Problem des Schweröls betrifft die Schifffahrtsbranche als Ganzes. Die Containerverluste rühren einerseits von rauen Verhältnissen auf See, andererseits aus Unachtsamkeit und sehr wahrscheinlich auch daher, dass die Schiffe teils sehr hoch beladen werden und daher eher ins Rollen kommen.

Tatsache bleibt trotzdem, dass die Schiffahrt-Industrie nach wie vor eine der umweltschädlichsten ist und dass eine Veränderung hin zu einer weitaus weniger umweltschädigenden Praxis durchaus im Rahmen der Möglichkeiten läge. Hier stehen neben den Reedereien auch die Politik und die Seefahrts-Aufsichtsbehörden in der Pflicht.

 

Quellen und weitere Informationen:
NABU: Containerschifffahrt
NABU: Hintergrundpapier Containerschifftransporte
Wie viele Container fallen im Jahr von Schiffen ins Meer?

 

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.