Perspektiven 2016 – vom Bruttoinlandglück

Die Bühne des Konzertsaals des KKL Luzern, kurz vor Veranstaltungsbeginn Die Bühne des Konzertsaals des KKL Luzern, kurz vor Veranstaltungsbeginn

Rund 1600 an Wirtschaft, Politik und Wirtschaftspolitik Interessierte liessen sich im KKL in den Bann der Perspektiven 2016 ziehen. Dem Rückblick auf für 2015 vorausgesagten Perspektiven mit den unerwarteten Problemen des Eurowechselkurses folgte der entsprechende Blick in die Zukunft des BIP – besonders in der Zentralschweiz – und eine anregenden Darlegung des Bruttoinlandglücks.

An den Perspektiven 2016 im KKL haben am 29.10. 1600 Zuschauer, vornehmlich aus der Wirtschaft, teilgenommen. Herr Martin Eichler erwähnte, dass die Zentralschweizer 2124.- / Jahr mehr als der Schweizer Durchschnitt ausgaben – für Herrenbekleidung und Autos. Frau Katja Gentinetta umriss uns das Bruttoinlandglück.

Das in den Perspektiven 2015 prophezeite Wirtschaftswachstum von 2.4 % sei vorwiegend wegen des Euroschocks nicht eingetroffen, meinte Bruno Thürig, CEO der Obwaldner Kantonalbank und überliess die Bühne anschliessend dem ersten Hauptredner des Abends: Martin Eichler, Chefökonom des unabhängigen Schweizer Forschungsinstituts BAK Basel Economics. Dieser übernahm mit der Präsenz eines Rockstars und der Ruhe eines Pfarrers in angenehmem Bühnendeutsch. Er ergänzte, auch das Eintreten der aktuellen Voraussagen (Perspektiven 2016) hänge zu einem grossen Teil vom Eurokurs ab. Weitere grosse Brocken, welche die Schweizer Wirtschaft ausser den Wechselkursen stark beeinflussten, seien die Emerging Markets, die ‘aufstrebenden Märkte‘ – allen voran China –, die Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III und die Bilateralen Verhandlungen mit der EU.

Eichler betonte die umfassende Wichtigkeit der aktuellen Bilateralen Verträge. Würden diese scheitern, wäre die Schweiz in die 70er-Jahre zurückversetzt: Alles was damals hindernisfrei funktionierte, war der zollfreie Warenhandel. Heute steht viel mehr auf dem Spiel. Die Forschungskooperation mit dem EU-Forschungsprogramm ermöglicht beispielsweise einen umfassenden Zugang zu einem riesigen Netzwerk. Auch potentielle technische Handelshemmnisse werfen einen Schatten voraus.

Bis Ende 2015 wird schweizweit eine Erhöhung des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 0.8 % erwartet – 2016 von 1.2 %. Die an der Frankenstärke ‘erkältete‘ Schweizer Wirtschaft werde in absehbarer Zeit gesunden, nicht zuletzt, da nicht mehr die Frankenstärke zähle, sondern die Euroschwäche.

Die Zentralschweiz liegt beide Jahre genau im Schnitt, wobei die einzelnen Kantone sehr unterschiedlich dazu beitragen. Für 2016 wird für den Kanton Nidwalden mit +1.8 % (2015: +3.6 %) das grösste Wachstum prognostiziert. Zurückzuführen ist dies auf die Investitionsgüter rund um die Pilatus Gruppe und die Bautätigkeiten auf dem Bürgenstock. Der Kanton Schwyz profitiert von steigenden Bevölkerungszahlen und grossen Bauprojekten: +1.4% (2015: +1.2 %). Luzern steht mit 1.3 % in beiden Jahren ebenfalls über dem Schnitt; vorwiegend wegen den zahlreichen gut ausgelasteten Baufirmen. Der Kanton Zug wird sich vom Einbruch im Rohwarenhandel wieder etwas erholen +1% (2015: –0.5 %).

Die zweite Hauptrednerin, die Politikphilosophin Katja Gentinetta, tastete sich schrittweise an den Begriff des Bruttoinlandglücks heran. Sie versuchte aufzuzeigen, wie die subjektive Lebenszufriedenheit mit dem BIP korreliert. Bei tiefem BIP bedeutet ein kleiner Anstieg des BIPs einen grossen Anstieg in der Lebenszufriedenheit. Je höher das BIP jedoch ist, desto weniger wirkt sich eine zusätzliche Erhöhung auf die Zufriedenheit aus. Plump formuliert: Nur arme Menschen macht mehr Geld wirklich glücklicher.

Mit verschiedenen Indices wird versucht, dies zu erfassen, wobei die meisten ‘Glücks‘- beziehungsweise ‘Wohlfahrtsindices‘ von den weit entwickelten, demokratisch regierten Ländern angeführt werden: Der Human Development Index bezieht ausser dem BIP die Gesundheit mit ein, der Human Freedom Index die Gesetzestexte und Rechte des Volks. Der GINI Index vergibt mehr Punkte an Länder deren Schere zwischen arm und reich nicht allzu weit offen ist. Der Happy Planet Index wird von Costa Rica und Vietnam angeführt. Wobei man bedenken muss, dass er nicht Happy People Index heisst – hier wird der Ökologische Fussabdruck miteinbezogen.

"So ist es auch für den Staat das grösste Glück, wenn die Bürger einen mittleren und ausreichenden Besitz haben.“Aristoteles

Gentinettas persönliche Ansicht korreliert mit den vier Kardinaltugenden, die sie als die jeweilige Mitte zwischen zwei Extremen beschreibt. Tapferkeit als Mitte zwischen Angst und Übermut; Klugheit zwischen Dummheit und Allwissen; Gerechtigkeit zwischen Recht und Unrecht; Mässigung zwischen Askese und Überfluss.

Heute verstehen viele unter ‘Glück‘ nicht mehr Sicherheit, Gesundheit, oder Chancengleichheit, sondern bloss ein Wohlfühlglück. Dieses Wohlfühlglück besteht aber nur aus Glücksmomenten. Deshalb halten wir es mit den folgenden Worten:

"Viele Menschen sind plötzlich so verrückt nach Glück, dass zu befürchten ist, sie könnten sich unglücklich machen, nur weil sie glauben, ohne Glück nicht mehr leben zu können.“Wilhelm Schmid, 2008

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